Kontemplation


Autorenleben


Durchatmen. Ich habe vor kurzem den Song »Regen« von Enno Bunger zufällig in einer Playlist gefunden. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich U-Bahn-Schienen, auf denen sich die aufgehende Sonne im Regen der letzten Nacht spiegelt und die sich in den Häuserschluchten der Stadt verlieren.
Manchmal, auf einer Wiese sitzend, streichele ich mit den Händen nasses Gras. Der Wind bläst mir Nieseltropfen ins Gesicht. Alles verschwindet, tropft von der Nase, und ich finde mich im Angesicht eines Orkans von Glen Hansard wieder, der am Horizont atemraubend, mächtig, überwältigend, alles mit sich reißend auf mich zukommt. Mich fragend, was geschieht, wenn der Orkan mich erfasst, wirbele ich auch schon willenlos und ohne Aussicht auf Gegenwehr umgeben von Leben durch die Luft, werde absorbiert weiterlesen

Polizeikontrolle


Autorenleben


Vor einiger Zeit habe ich ein Buch veröffentlicht. So aufregend der gesamte Prozess, also das Schreiben bis hin zur Veröffentlichung auch war, der Widerhall in der Gemeinde der potenziellen Leser lässt sich mit einem Wort beschreiben: dürftig.
Deshalb nutzte ich vor ein paar Tagen auf dem Flughafen – ich wollte einen alten Schulfreund abholen – die unvermeidliche Wartezeit, um die Menschen mit der Kamera einzufangen. Ein Buchtrailer, in dem Menschen hektisch umherwuseln, sollte treffend die Stimmung des Protagonisten widerspiegeln und eine gute Werbung für das Buch sein. Ich hatte, vor Kreativität überquellend, auch noch einen Sonnenuntergang und mich, den Autor, in verschiedenen Aufnahmen geplant.
Also filmte ich während des Wartens betont unauffällig zweimal eine Minute lang die weiterlesen

Vanille


3. Kapitel / 27. / Vanille


Hannes war unauffindbar. Kurz nachdem wir den Club betreten hatten, hatte ich ihn aus den Augen verloren. Vergebens hoffte ich einen Hinweis auf seinen Verbleib auf meinem Telefon zu finden und suchte ihn halbherzig auf der Tanzfläche, bevor wir den Club gegen 01:00 Uhr verliessen. Er wird, überlegte ich auf dem Weg zu den Toiletten und der letzten Möglichkeit ihn aufzuspüren, wieder zu meiner Wohnung finden oder sich den Weg unter eine fremde Decke ebnen.Beissender Gestank von Urin schlug mir ins Gesicht. Schwarzes Licht hob zerkratzte Aufkleber und Graffiti an den Wänden hervor, und hinter den geschlossenen Türen der Toilettenabteile hörte ich Schniefen, Husten und leises Gekicher.
»Hannes?«, fragte ich laut in die trübe Dunkelheit. Kurz trat Stille ein, begleitet von den weiterlesen

Innehalten?


Paris 2015


In der Nacht vom 13. auf den 14. November 2015 hatte ich das zweifelhafte Vergnügen und war wach. Ich musste arbeiten und herzte mich gerade in einer kleinen Pause durch meine Timeline auf Twitter, als die ersten Tweets von in Paris lebenden Kontakten meine Konzentration durcheinanderbrachten.
Was war los? Geiselnahme? Mehrere Bombenattentate? In Frankreich und nur wenige hundert Kilometer entfernt? Einige Klicks später verfolgte ich das Grauen live durch die Nacht über den Bildschirm meines Telefons. Fassungs- und sprachlos.
Frankreich grenzt an die Schweiz. Paris ist 713 km von meinem Wohnort Weinfelden entfernt und damit deutlich näher als meine Heimat an der Ostseeküste. Der Krieg ist da und steht vor unserer Haustür. weiterlesen

Wir müssen reden


Hallo zusammen.


Die Veröffentlichung meiner Debütnovelle „Vaterliebe“ liegt etliche Monate zurück und war, um ein Fazit aus dem ganzen Brimborium, das die Veröffentlichung so mit sich brachte, zu ziehen, ein Schnellschuss. In Erwartung eines raketenhaften Aufstiegs zu früh auf den Markt geworfen.
Jeder Schuss ein Treffer? Weit gefehlt. Dabei dachte ich, wenn ich mich an die sozialen Netzwerke wende und sie nutze, kommen Ruhm und Reichtum schon von alleine. Denkste! War nich so. Wobei, an dem Ruhm bin ich gar nicht so sehr interessiert. Der Reichtum aber … Ich schweife ab.
So richtig scheine ich das Gerangel in den sozialen Netzwerken auch noch nicht verstanden zu haben. Facebook zum Beispiel hat über eine Milliarde Mitglieder. Meine weiterlesen